Die Geschichte um Dantes Grab ist fast schon eine Posse. Dante starb 1321 im Exil in Ravenna – Florenz hatte ihn verbannt, dieselbe Stadt wollte ihn Jahrhunderte später aber unbedingt zurück. 1519 schickte Florenz, auf Drängen von Michelangelo, eine offizielle Delegation mit päpstlichem Segen los, um die Gebeine zu holen. Als man den Sarkophag in Ravenna öffnete: leer. Die Franziskanermönche hatten die Knochen heimlich aus dem Sarg geholt und versteckt, um sie den Florentinern nicht zu überlassen. Wo genau, geriet fast in Vergessenheit – erst 1865, bei Renovierungsarbeiten und rein zufällig, fanden zwei Maurer eine schlichte Holzkiste in einer Klostermauer eingemauert, mit Dantes Überresten darin. Bis heute zahlt Florenz als eine Art jährliche Wiedergutmachung das Olivenöl für die ewige Grablampe am Dante-Grabmal – eine Geste der Reue, die die Stadt seit Jahrzehnten pflegt, obwohl sie den Dichter selbst nie zurückbekam.
Noch kurioser: Ravenna liegt heute rund 10 Kilometer von der Adria entfernt – dabei war es in der Spätantike praktisch eine Lagunenstadt wie Venedig, fast komplett von Wasser umgeben, mit einem gewaltigen römischen Kriegshafen (Classe) direkt vor den Toren, den Kaiser Augustus dort für die gesamte östliche Mittelmeerflotte anlegen ließ. Weil sich der Lauf des Po über Jahrhunderte verschob, versandete die Lagune nach und nach – die Stadt "wanderte" quasi von der Küste weg, ohne sich selbst zu bewegen.
Und noch ein Detail, das gern übersehen wird: Die berühmte achteckige Kirche San Vitale mit ihren Byzanz-Mosaiken hat Karl der Große persönlich beeindruckt – so sehr, dass seine Aachener Pfalzkapelle (heute Kern des Aachener Doms) direkt danach gebaut wurde, teils sogar mit Baumaterial, das er aus Ravenna nach Aachen schaffen ließ.









