Der Name selbst ist schon eine Geschichte
Drei Namen, drei Epochen: Karfreit (deutsch, habsburgisch), Caporetto (italienisch – untrennbar mit der Kriegsniederlage von 1917 verbunden) und Kobarid (slowenisch). Die genaue Herkunft ist umstritten – vermutet wird ein vorslawischer bzw. keltoromanischer Ursprung, nicht die naheliegende Ableitung von "kopriva" (Brennnessel).
Erwin Rommel wurde hier gemacht – buchstäblich
Auf dem Kolovrat-Höhenzug bzw. am Berg Matajur, den der Lehrpfad streift, gelang dem damals 25-jährigen Leutnant Erwin Rommel im Oktober 1917 mit einer kleinen Gebirgstruppe der Handstreich, mit wenigen Dutzend Mann über 9.000 italienische Soldaten gefangen zu nehmen. Dafür erhielt er den Pour le Mérite – der Grundstein seines späteren Rufs als "Wüstenfuchs" wurde also nicht in Afrika, sondern hier gelegt.
Das Beinhaus (Kostnica) ist Mussolini-Architektur
Die italienische Kostnica auf dem Hügel Gradič, in der über 7.000 gefallene italienische Soldaten liegen, wurde 1938 von Mussolini persönlich eingeweiht. Architekt war Giovanni Greppi – derselbe, der auch das riesige Beinhaus von Redipuglia entwarf. Das Gebäude wurde bewusst über den Resten einer mittelalterlichen Burg errichtet, um eine Kontinuitätslinie zur "italienischen" Vergangenheit der Region zu suggerieren – ein politisches Statement des faschistischen Regimes.
Tonovcov grad – ein fast vergessener Fund
Die spätantike Fluchtsiedlung, die der Pfad streift, wurde erst 1993–2004 systematisch ausgegraben. Sie war vom 5.–6. Jh. n. Chr. bewohnt, als sich Menschen vor den Völkerwanderungs-Einfällen aus dem Tal auf befestigte Bergkuppen zurückzogen. Mit über 20 Häusern, drei Kirchen und einem Baptisterium gilt sie als eine der bedeutendsten spätantiken Höhensiedlungen der Ostalpen – aber kaum bekannt, weil sie erst spät und ohne spektakuläre Einzelfunde freigelegt wurde.
Napoleon war wirklich hier
Die "Napoleonova most" (Napoleonbrücke) markiert die Stelle, an der napoleonische Truppen 1797 während des Italienfeldzugs gegen Österreich die Soča überquerten – lange vor dem Ersten Weltkrieg war das Tal also schon strategischer Korridor.
Teil eines viel größeren Netzes
Der Kobarid-Lehrpfad ist nur ein Baustein der "Pot miru" (Weg des Friedens) – eines von der Stiftung "Fundacija Poti miru v Posočju" seit den 2000ern aufgebauten Wanderwegs, der die gesamte ehemalige Isonzofront von Log pod Mangartom bis zur Adria bei Triest nachzeichnet.




