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Bologna

10.09.2026

Bologna hat unter der Oberfläche buchstäblich eine zweite Stadt versteckt – ein Kanalnetz, das früher die Seidenmühlen der Stadt antrieb und Waren transportierte, im 20. Jahrhundert dann größtenteils zubetoniert wurde. Nicht zerstört, nur verdeckt: An einer einzigen Stelle, einem kleinen unscheinbaren Fenster in der Via Piella, kann man bis heute runterschauen und sieht plötzlich ein Stück Bologna, das aussieht wie eine Mini-Ausgabe von Venedig, mit echtem fließendem Wasser zwischen alten Hauswänden.

Auch die berühmten Arkaden der Stadt (über 38 Kilometer, inzwischen UNESCO-Welterbe) sind eigentlich aus einer ganz pragmatischen Wohnungsnot entstanden: Als Bolognas Universität – die älteste Europas – im Mittelalter immer mehr Studenten anzog, durften Hausbesitzer ihre oberen Stockwerke einfach über die Straße hinaus erweitern, um mehr Zimmer vermieten zu können. Was darunter an freier Fläche übrig blieb, wurde zur überdachten Passage, unter der man heute trockenen Fußes durch die ganze Stadt laufen kann.

Und dann sind da die Türme. Im 12./13. Jahrhundert konkurrierten die reichen Familien der Stadt buchstäblich im Höhenwettbewerb – an die 100 Geschlechtertürme sollen es gewesen sein, eine Art mittelalterliches Manhattan. Übrig geblieben sind davon nur rund 20, darunter die schiefe Garisenda, die so instabil wurde, dass man sie teilweise abtragen musste, bevor Dante sie in seiner Göttlichen Komödie als Sinnbild für Wankelmut verewigte.

Die Bologneser nehmen ihr Essen so ernst, dass sie ihre Rezepte notariell haben eintragen lassen. Klingt übertrieben, ist aber wahr: 1982 hat die Accademia Italiana della Cucina das "amtliche" Rezept für Ragù alla Bolognese bei der Handelskammer Bologna hinterlegen lassen – 2023 wurde es sogar nochmal aktualisiert. Genauso gibt es eine offiziell registrierte Tortellini-Füllung. Übrigens: Das, was wir "Spaghetti Bolognese" nennen, kennt in Bologna niemand – dort kommt der Ragù traditionell auf Tagliatelle, nicht auf Spaghetti, und ganz sicher nicht mit Sahne.

Die Tortellini selbst haben eine herrlich schlüpfrige Entstehungslegende: Angeblich übernachtete die Göttin Venus in einem Gasthof im nahen Castelfranco Emilia, und der Wirt konnte nicht widerstehen, durchs Schlüsselloch zu schauen. Was er sah, inspirierte ihn so sehr, dass er in die Küche rannte und eine Pasta formte, die ihrem Bauchnabel nachempfunden sein soll. Hübsche Geschichte – nur dass das erste belegte Tortellini-Rezept schon aus dem Jahr 1570 stammt, also älter ist als die Legende selbst.

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